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Friedrich Ostendorf (1871 – 1915) Der Architekt und Architekturtheoretiker Friedrich Ostendorf wurde am 17. Oktober 1871 in Lippstadt / Westfalen geboren. 1890 begann er sein Studium an der TH Stuttgart, das er 1892 an der TH Hannover fortsetzte. 1893 studierte er weiter an der TH Berlin-Charlottenburg bei Carl Schäfer und legte hier 1895 die preußische Staatsprüfung im Baufach ab. Nun war er bis 1899 als Regierungsbauführer in Karlsruhe (bei Josef Durm), Marburg, Köln, Trier, Paderborn und Münster tätig. Während dieser Zeit leistete er seinen Militärdienst. 1899 erhielt er als Regierungsbaumeister den Schinkelpreis.
Anschließend unternahm Studienreisen durch Deutschland, Frankreich, Italien und England. Im folgenden Jahr trat er aus dem Staatsdienst aus und arbeitete als freier Architekt in Marburg und Düsseldorf. 1903 erregte er mit seinem preisgekrönten Wettbewerbsentwurf für das Rathaus im historisierenden Stil in Dresden – noch ganz im Geiste seines Lehrers Schäfer – zum ersten Mal allgemeines öffentliches Interesse. Anschließend war er bis 1904 im Ministerium für öffentliche Arbeiten in Berlin tätig. 1904 wurde er ordentlicher Professor für mittelalterliche Baukunst an der TH Danzig, 1907 Professor der Architektur an der TH Karlsruhe als Nachfolger von Carl Schäfer. War er bis hierher nach Karlsruhe also seinem Lehrer gefolgt, so entwickelte er sich in der Weinbrenner-Stadt zu einem Vertreter des Stils „um 1800“, auch in seiner Tätigkeit als freier Architekt. 1908 erfolgte seine Ernennung zum technischen Referenten für Bausachen im badischen Finanzministerium. Bis 1915 erschienen insgesamt drei Bände seiner „Sechs Bücher vom Bauen“, ein Grundlagenbuch des architektonischen Entwerfens, das gleichsam seine engagierte Lehrtätigkeit zusammenfasste und ihn zum bedeutendsten Architekturtheoretiker des deutschsprachigen Raums machte. Darin propagierte er „nach dem wilden Durcheinander, das wir in den letzten 80 Jahren erlebt haben“ eine Rückkehr zu einer möglichst klaren und einfachen Architektursprache, die er vorbildhaft in den gesetzmäßigen Formen des Barocks sah. Harmonie und Ordnung waren dabei stets seine obersten Gestaltungsprinzipien. Friedrich Ostendorf fiel im Ersten Weltkrieg am 16. März 1915 bei Arras / Frankreich. Werkauswahl: Gartenstadt-Siedlung Rüppurr (Bebauungsplan, ab 1907, Vorentwurf von Karl Kohler) Wiederaufbau Klosterkirche, St. Blasien (1909 – 13) Physikalisches Institut, Universität Heidelberg (1910 – 13) Villa Krehl, Heidelberg (1911) Staatsschuldenverwaltung und Oberregierungskasse (Regierungspräsidium, 1911 – 13) Haus Ostendorf (1912) Bebauung Ostendorfplatz (1914 – 22) |